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Welcome to the Jungle: Konzerte der MGB Big Band 2017

img_3353.jpgAm vergangenen Wochenende fanden die drei Konzerte der MGB Big Band statt. Bereits bei den MGB Jazz Youngstern herrscht ein enormes Angebot an Talenten. Gleich drei Gitarristen und zwei Bassisten konnte Bandleader Pfaus auf die Bühne schicken. „Ballad for a blue horn“, bot absolut keinen Grund, sich blue, also traurig zu fühlen. Auch Blue Beamer, ein uptempo Stück mit treibender Percussion verbreitete gute Laune. Bei Santanas „Black Magic Woman“ spielt naturgemäß die Gitarre eine tragende Rolle, aber die ganze Band zeigte sich hochkonzentriert und musizierte sich so in die Herzen der Zuhörer. Die Jüngsten standen bereits mit einer erstaunlichen Präsenz und Gelassenheit im Scheinwerferlicht.  Verdienter Jubel des Publikums und Rufe nach Zugaben, die natürlich erhört wurden, waren Lohn für eine Spitzenleistung. 

Den Mitgliedern der Jazz Combo standen aufgrund der sommerlichen Temperaturen schon vor dem ersten Lied die Schweißperlen auf der Stirn. Aber das schien sie eher zu beflügeln. Sie spielten äußerst selbstbewusst los. Vielleicht weil die Musik so vielen unterschiedlichen Charakteren die Möglichkeit gibt, sich in einem geschützten Raum und auf hohem Niveau zu entfalten. Unweigerlich fällt einem Schillers geflügeltes Wort ein, dass der Mensch nur da ganz Mensch ist, wo er spielt. 

Bei „This Masquerade“, einem rassigen Bossa Nova, kamen die Querflöten wunderbar zur Geltung. Und so wurde im Verlauf dieses Konzertes die Aufmerksamkeit auf jeden Einzelnen gelenkt. Jede und jeder sieht sich wertgeschätzt als unverzichtbarer Teil des Ganzen. Da wird schon mal ein geplantes Konzert von Bruno Mars in Berlin gecancelt, denn die Big Band geht vor. Pfaus zeigte sich als begnadeter Pädagoge, widmete der Verzicht übenden Schülerin den nächsten Song. Der Verzicht wurde belohnt durch eine unvergessliche Erfahrung. Ausdruck dieser Freude am eigenen Tun war denn auch der Tanz der Trompeterinnen in der letzten Reihe. Selten sieht man Schüler so gelöst im schulischen Kontext. 

Die Big Band muss einem nicht leidtun, wenn man den Namen der Sängerin Joelle Schreiber im Gedächtnis behält. Einerseits konnte man den Musikerinnen und Musikern ansehen, dass sie sich an der außergewöhnlich schönen Stimme erfreuen, andererseits ist ihnen wohl bewusst, dass sie das Fundament sind, auf dem diese Stimme sich entfalten kann. Deshalb seien im Weiteren exemplarisch und stellvertretend für alle einige Namen genannt. Doch bevor Joelle Schreiber mit der Ballade „The look of love“ die Herzen der Zuhörer mit ganz sanftem Timbre zum Schmelzen brachte, nahm die Big Band das Publikum mit einem spannenden und kraftvollen Arrangement von „Welcome to the Jungle“ der Guns and Roses gefangen. Natürlich durfte da ein Solo der verzerrten Gitarre (Niklas Freisler) in bester Slash-Manier nicht fehlen.  Mit dem 20er Jahre Swing „Straighten up and fly right“ und „Povo“ legte die Big Band noch einmal eine Schippe drauf. Die Bassistin Mika Wicklow spielte tight, unumstößlich und mit einem Wahnsinnstiming und Alicia Fretz setzte durch flüssige Läufe, eine geschmackvolle Phrasierung und gezielt gesetzte Pausen klare und wunderschöne Akzente mit der Trompete. Bei „Bone Talk“ lag der Fokus auf den Posaunen, die ausgiebig solieren durften. Jeder Chorus wurde zelebriert und sichtlich genossen. 

Die Elternbeiratsvorsitzende  Rebecca Hoek führte in ihrer Dankesrede ein passendes Zitat Art Blakeys an: „Jazz washes away the dust of everyday life“. Besser kann man es nicht ausdrücken, was in den wöchentlichen Proben, den mehrtägigen  Landheimen und allgemein der besonderen Gemeinschaft der Big Band geschieht. Man sieht glückliche Menschen. Die Jugendlichen bedankten sich auf ihre Art bei ihrem Bandleader für diese Erfahrung, indem sie dessen Lieblingssong „Always and forever“ von Pat Metheny atmosphärisch dicht und  gefühlvoll performten. Unweigerlich drängte sich das Bild einer geheimnisvollen Pflanze im Dschungel auf, die langsam erblüht. Und was braucht diese dazu? Sonnenlicht. Die ausgefeilte Dramaturgie des Programms wurde hier besonders gut deutlich. „You are the sunshine of my life“. Das dachten sich sicherlich nicht nur die stolzen Eltern und  Verwandten im Publikum. Musik ist dann eben doch ein magisches Lebenselixier und wie passend erschien da der letzte Song des regulären Programms. Bernhard Pfaus sang im Duett mit Joelle Schreiber den Soulklassiker von Tower of Power „You’re still a young man“. Die Arbeit mit den Jugendlichen erhält den Bandleader nicht nur äußerlich, sondern vor allem im Herzen jung. Früher hätte man ihn wohl einen Liebling der Götter genannt. Und so konnte eigentlich nur ein Song als Zugabe folgen: „Angels“ von Robbie Williams, wo es heißt: „I know I'll always be blessed with love“. Im wahrsten Sinne des Wortes sind diese Jugendlichen und dieser Bandleader gesegnet.

Marc Soedradjat